Burningroads 2011


Endlich war es mal wieder so weit. Burning Roads stand vor der Tür und Frank bekam für den Freitag Urlaub. So konnten wir uns mit der Anreise Zeit lassen und an der Pastaparty in Althoffs Landgasthof teilnehmen.

Um 16.30 Uhr erreichten wir unsere „Pension zur Tanne“, in der wir auch schon im letzten Jahr ein Zimmer hatten. Als wir dort schellten, bekamen wir jedoch direkt einen großen Schrecken! Frau Kubitza sagte: „Wir hatten Sie schon gestern erwartet und waren noch bis 12.00 Uhr wach!“ Oh je, da hatten wir das Zimmer Anfang des Jahres, aufgrund des davor liegenden Feiertages, für drei Nächte gebucht und diese Tatsache einfach vergessen. Vielleicht haben wir manchmal doch ein bisschen zu viele Veranstaltungen und deren Organisation im Kopf. Es war uns unglaublich unangenehm und peinlich und wir sind sehr dankbar dafür, dass Familie Kubitza trotzdem nach wie vor sehr freundlich zu uns war. Frau Kubitza erzählte uns, dass das andere Zimmer, ebenfalls durch zwei Teilnehmer von Burning Roads besetzt war.

Um 17.30 Uhr trafen wir in Althoffs Landgasthof ein. Wir wunderten uns, dass schon so zahlreiche Fahrer und Helfer, in dem extra für uns bereit gestellten Saal, erschienen waren. Ein leckeres Nudelbuffet war dort angerichtet, sowie zahlreiche Salate. Diesmal waren wir nicht diejenigen, die die weiteste Anreise hatten. Drei Fahrer aus dem Stuttgarter Raum waren ebenfalls erschienen. Neben mir saß einer der zahlreichen Michaels und erzählte, dass er schon zum vierten Mal mit dabei sei. Thorsten, einer der Organisatoren berichtete, dass Ralf Titzemann, der zweite Organisator und Mitfahrer, an Grippe erkrankt sei. Auch seine Freundin Dette, würde aufgrund einer Grippeerkrankung nicht mitfahren. Schade, ich hatte mich schon so aufs Quatschen mit ihr gefreut.

Ein hartes Los war es in jedem Fall für Thorsten, eine Horde von 95 Radlern sicher und mit möglichst wenigen Zwischenfällen ins Ziel zu bringen. Dies hat er allerdings mit Bravour gemeistert. Unterstützt wurde er jedoch auch unter anderem von einigen sehr starken Fahrern des RSC Ochtrup, die auch mir nachmittags einmal halfen, den Anschluss ans Feld wieder zu bekommen.


Wir sahen einige Radler des 200 km Trainings wieder und freuten uns über die fröhliche und freundliche Stimmung, die dort immer bei den Treffen herrscht. Manchmal sind wir fast ein wenig traurig, dass wir so eine weite Anreise haben und beneiden die Ortsansässigen.


Gegen 19.00 Uhr löste sich allmählich die Pastaparty auf, da die meisten doch noch ein wenig „vorschlafen“ wollten. Auch wir machten uns auf den Weg zur Pension. Wir packten unsere Taschen für den nächsten Tag, legten uns unsere Radsachen zurecht und ich stellte den Wecker. Manchmal hat man, glaube ich, doch innere Eingebungen. Da stellte ich den Wecker doch tatsächlich auf 12.45 Uhr. Gut, dass ich das Ganze noch einmal kontrollierte und die Weckzeit auf 00.45 Uhr verstellte. Im letzten Jahr hatte ja schon Andreas „der flitzende Koch“ verschlafen, wachte um 5.00 Uhr auf und fuhr die ganze Strecke hinterher. Glücklicherweise erwischte er uns irgendwo auf dem Rückweg wieder. Eine stramme Leistung. Ich hätte mich fürchterlich geärgert und weiter schlafen wollen, vor lauter Ärgern aber wahrscheinlich nicht gekonnt.



(von links nach rechts) Kirsten, Andy "der flitzende Koch" und  Johann    Der Radfahrer rechts außen "geht  weiter"                                                                                                                                            machte seine Späße mit Kirsten

Um 00:45 Uhr klingelte also der Wecker. Ich hatte vier Stunden wunderbar geschlafen. Und …? Es lief alles perfekt. Wer unsere Berichte kennt, weiß ja, dass Frank, wenn er müde ist, manchmal etwas länger braucht um irgendwas Sinnvolles zu tun. Selbst nach fünf Jahren Ehe, ist man manchmal überrascht. Er baute noch schnell unsere Räder zusammen, wir schnappten uns unsere sieben Sachen und machten uns auf den Weg zum Treffpunk am Radhaus Krechting. Allerdings wunderte ich mich zunächst, wo mein Mann eigentlich blieb? Ich fuhr wieder zurück und sah, dass er Probleme mit seiner Kette hatte. Diese hatte sich irgendwie verklemmt. Gott sei Dank wurde das Problem schnell gelöst.


Von überall strömten die Radfahrer an. Die ganze Tour wurde begleitet von zwei Motorrädern und den Fahrern, bzw. Beifahrern Gabi und Thomas Franger sowie von Josef Janning, der Mann von ebenfalls Mitradlerin Silvia. Sie sorgten dafür, dass wir auf der ganzen Tour weitestgehend eine reibungslose Fahrt hatten. Das Ganze machten sie sehr besonnen, ohne die Radfahrer in Gefahr zu bringen. Sie machten Kreisverkehre dicht, stellten sich mit ihren Gefährten auf Kreuzungen und ermöglichten uns ein Abbiegen ohne Stop. Des Weiteren wurden wir begleitet von einigen Fahrzeugen, die das Fahrerfeld von hinten absicherten und unser Gepäck, jede Menge Verpflegung und Pannenmaterial mitführten. Ja, … wir plünderten im Laufe des Tages einfach Alles. Nicht nur die vielen Brötchen, nein … auch von den mitgeführten Rennradschläuchen machten wir regen Gebrauch. Zum Schluss war tatsächlich kein einziger mehr da. Aber davon später ;-) Die Fahrzeuge wurden gefahren von Thorstens Schwestern Michaela und Carina, einer Freundin von Carina und von Holger Peters. (Ich hoffe, ich habe keinen vergessen). Michaela hat auch im Vorfeld einen großen Teil der Organisation bestritten. An dieser Stelle nochmals vielen Dank an   a l l e helfenden Hände – auch an die im Hintergrund.



ein teil unserer fleißigen Begleitcrew mit Auto und das Motorradteam

Am Startpunkt trugen wir uns alle in eine Liste ein, Thorsten gab noch einige Instruktionen und dann starten wir pünktlich um 2.00 Uhr zur 5-jährigen Jubiläumstour in Richtung Niederlande.


Frank und ich fuhren relativ schweigend neben einander her. Für Gespräche war es uns beiden irgendwie noch zu früh. Trotzdem ist es schon ein erhebendes Gefühl, in einem surrenden und irgendwie wunderschön beleuchteten Tausendfüßler unterwegs zu sein. Hier und da kam mal ein Auto, was aber nicht der Rede wert war. Faszinierend waren dagegen ehr die Begegnungen von Radfahrern, die offensichtlich gerade Diskotheken, Kneipen, Schützenfeste oder ähnliches verlassen hatten. Staunten wir doch nicht schlecht über die Gelassenheit zweier Mädels, die uns auf recht enger Straße, fröhlich schnatternd auf Hollandrädern und ebenfalls nebeneinander fahrend, entgegen kamen. Wenn mir hundert Radfahrer im Dunkeln entgegen kämen, würde ich glaube ich vorsichtshalber einen Satz in die Büsche machen. Die beiden ließen sich aber nicht verunsichern und setzten ihr Gespräch unbeirrt und sehr selbstbewusst fort. Eigentlich trugen wir ehr zu deren Belustigung bei. Im Grunde war dies eine gefährliche Situation, die im Nachhinein aber wirklich witzig erscheint.


Eine ähnliche Situation hatten wir bei einer Ortsdurchfahrt. Zwei junge Männer waren offensichtlich auch mit ihren Rädern auf dem Heimweg. Total motiviert fuhren sie doch mit ihren Klapperkisten, mal auf dem Bürgersteig, mal auf der Straße neben uns her. Der Übermut machte uns ein wenig Angst. Eine falsche Bewegung und ein schlimmer Sturz hätte passieren können. Ich wurde nervös. Welch ein Glück, dass einer der Beiden, den Kettenkasten seines Rades verlor. Ach, herrje!


Das Fahrerfeld erreichte ohne besondere Vorkommnisse die erste Rast in Rijssen. 57 Km und 2,5 Std lagen hinter uns. So langsam begann es zu dämmern. Hundert Fahrer sprangen in die Büsche, nur wir Mädels brauchten immer etwas länger bei der Wahl des „Stillen Örtchens“. Ich hoffe nur, dass nicht wieder die „Grasmilben“, wie bei der Le Biketour, zugeschlagen haben.




Bei der ersten Rast wunderte ich mich doch sehr, über den Anteil der Frauen an diesem Radmarathon. Letztes Jahr waren wir noch zu Zweit oder Dritt, in diesem Jahr waren, wenn ich mich recht erinnere, schon sechs Frauen dabei. Warum eigentlich gibt es keine Tour de France für Frauen?



(Mitte) eine von sechs Frauen die mit von der Partie waren / den Namen wissen wir nicht, aber versorgte uns auf der Trainingsfahrt mit selbstgebackenem, leckerem Kuchen

Wir stärkten uns mit Brötchen und Getränken, füllten die Radflaschen auf und weiter ging es. Am Morgen befuhren wir den Ijsseldeich auf ca. 35 Kilometern. Frank holte sich, genau wie ich, in der Pause noch eine zweite Jacke heraus. Irgendwie war es doch recht kühl. Den ganzen Tag über herrschten Temperaturen zwischen 13 und 15 Grad. Allerdings hatte er sein Gepäck nicht schnell genug wieder verstaut und fuhr der Gruppe, zusammen mit einigen anderen, hinterher. Nach einigen Mengen Cola war auch ich wach und kommunikationsfähig. Eine ganze Weile fuhr ich mit einem Fahrer zusammen, dessen Name für mich momentan nur www.lauf-bar.de ist,. Ich erfuhr einiges über die Pässe der französischen Alpen, in denen Frank und ich, in nicht einmal drei Wochen, mit unseren Rädern unterwegs sein werden. Er erzählte vom Öztaler Radmarathon, den er schon gefahren ist, wie auch von der Transalp für Mountainbikes, ich erfuhr, dass es unsere Radmarke „Red Bull“ bei Rose gar nicht mehr gibt (sie heißen jetzt Rose-Räder), und von Fahrradlampen, die das Stück sage und schreibe 900,00 Euro kosten. Von der Transalp kennen wir nur die Rennradversion, die wir 2008 schon gefahren sind und stellen immer wieder fest, dass Mountainbiking für uns wohl nichts wäre. Die Kilometer und die Zeit flogen nur so dahin. Frank fand am Nachmittag einen sehr guten Gesprächspartner in ihm, da beide doch über einige Ultralauferfahrung verfügten.



erst einmal die Pause genießen, so ist es richtig
     rechts im Bild Josef ... er sorgte im Motorrad-Team mit für freie Fahrt

Unterbrochen wurden wir durch einen furchtbar unglücklichen Sturz, der nicht sehr weit vor uns passierte. Vier Fahrer fuhren wohl nebeneinander in eine Kurve und zwei von ihnen kollidierten dort. Zum Glück gab es keine starken Verletzungen. Die Fahrräder der beiden waren jedoch nicht mehr zu gebrauchen und so musste Mensch und Material in den Besenwagen krabbeln. Ganz schön traurig für die beiden.


Das Fahrerfeld mischte sich neu und neue Gesprächspartner ergaben sich. Frank und ich finden beide, dass die Geselligkeit bei Burning Roads doch sehr groß ist. Man interessiert sich für einander und erzählt miteinander und so vergehen Kilometer um Kilometer, ohne sich der Streckenleistung großartig bewusst zu werden.


Ein weiterer Sturz wurde offensichtlich durch eine Pferdeherde verursacht. Sicherlich zehn wunderschöne schwarze Pferde, die sich auf einer großen Weide befanden, scheuten und rannten fluchtartig auf die Rennradgruppe zu. Ein solcher Anblick machte einfach Angst und ein Bremsen des Feldes setze ein. Schon hörten wir, wie einige Mitradler „Sturz“ riefen und bremsten ab. Der Fahrer fiel wohl jedoch relativ weich auf eine Rasenfläche und verletzte sich nicht.


Inzwischen hatte es angefangen zu regnen und sollte auch, bis auf eine kurze Pause nach dem Essen, nicht mehr aufhören.

Eine zweite Pause gab es irgendwo hinter dem Deich, nach 125 Km. Eine größere Gruppe Rennradfahrer kam an uns vorbei, ebenfalls mit einem Begleitfahrzeug. Wir feuerten sie an, doch nur wenige verzogen eine Mine. Sollte man nicht doch mit ein wenig Spaß an solchen Sachen teilnehmen? Eigentlich schade.

Wieder einmal hatten wir 15 Minuten Zeit zum Essen, Flaschen auffüllen und Getränke wegbringen. (Thorsten ist da sehr streng ;-)) Ich stiefelte mal wieder tief durch den Dreck und stellte leider zu spät fest, wie verschlammt meine Schuhplatten waren. Das Einklicken wurde somit etwas mühsam. Wie im letzten Jahr durchfuhren wir Zwolle und erreichten gegen viertel vor Elf Coevoorden und somit unsere Mittagsrast. Ein großer, jedoch etwas dusterer Saal, war schön für uns eingedeckt und riesige Berge Spaghetti Bolognese warteten auf uns. Salat wurde ebenfalls dazu gereicht und ein Getränk. Gut, dass es dort so dunkel war – konnte man doch nicht so richtig erkennen, wie schmutzig und nass wir alle durch die Regenfahrt waren. Viele nutzten den Handfön zum Trocknen ihrer Sachen. Das Essen schmeckte hervorragend und stärkte uns für die noch kommenden Kilometer. Normalerweise gibt es immer auf Damentoiletten einen Stau und die Herren der Schöpfung, stehen nie an. Pech jedoch, wenn sich 89 Männer drei Toiletten teilen müssen und 6 Frauen ebenfalls. Da hatten wir es wirklich mal gut. Nach dem Essen gönnten wir uns noch einen Kaffee, der uns den nötigen Elan wieder brachte.




Mittagsrast in Coevoorden - es gab Spaghetti Bolognese satt für alle
......  und danach ein kleines Nickerchen

Michaela besorgte inzwischen noch etliche Bananen und Müsliriegel, um unser aller, nicht zu bändigender Hunger, auch am Nachmittag noch zu stillen.


Frank erzählte von einem Gespräch mit dem Liegeradfahrer Michael, der in Münster den Laden 1-2-3rad betreibt. Sein erstes Liegerad habe er an einen vom Bahnhof kommenden Einradfahrer verkauft. Im Moment baut er wohl an einem Liegeradtandem, was uns beide natürlich als „Auchtandemfahrer“ fasziniert. Michael, bitte berichte mal wenn es fertig ist und maile uns, wenn du magst ein Bild, wir sind total gespannt. Wir können uns schon nicht vorstellen, wie es ist auf einem einzelnen Liegerad zu fahren. Wie klappt das eigentlich mit dem Halten der Balance? Auch er reist viel mit dem Rad, gemeinsam mit seiner Familie durch die Weltgeschichte. So erzählte er von Radurlauben in Polen und Kreta. Ich fuhr nachmittags, fast zum Ende der Fahrt ebenfalls neben ihm, doch da war meine Laune und auch meine Kraft, dem Erdboden schon sehr nahe. Er möge mir an dieser Stelle verzeihen, aber ich hatte zuviel mit mir selber zu tun als mich zu unterhalten. Doch denke ich, dass jeder Langstreckenfahrer, diese Situation kennt.


Nach der Pause begann dann der Pannenteil. Wir haben schon einige Langstreckenfahrten mitgemacht, aber so etwas haben wir noch nicht erlebt. Es gab sicherlich 25 Pannen, wenn das überhaupt reicht. Das Feld rollte, die Fahrer riefen: „ein Plattfuß“, Thorsten hetzte hin, reparierte, das Feld setzte sich in Bewegung und manchmal dauerte es keine drei Minuten, bis der nächste Plattfuß sich ankündigte. Schon bald waren die Rennradschläuche vollständig verwertet. Thorsten meisterte jede Reparatur mit einer Engelsgeduld – einfach toll – so muss es eigentlich sein. Der Pannenkönig war jedoch Johann. Herzlichen Glückwunsch! Er hatte sogar drei Richtige! (Plattfüße). Der Arme, aber wie war das?: Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Es fielen doch etliche ehr lustige Beschimpfungen, dafür winkte er fröhlich aus dem Auto, als wir mal wieder im strömenden Regen fuhren. Rache muss eben sein ;-)Trotzdem weiß jeder, wie traurig er war, nach dem dritten Platten, ins Auto steigen zu müssen. Letzten Endes ist doch jeder stolz, es dann doch geschafft zu haben. Zumal Nachbarn, Freunde und Verwandte schon auf seine Ankunft warteten. Schade, bestimmt sehen wir uns im nächsten Jahr wieder und dann wird auch dein Fahrrad durch halten Johann, ganz bestimmt. Seine nette Familie, die wir im Zielbereich kennen lernen durften, wird ihn sicher über den Fahrverlust hinweg trösten.

Ein weiteres interessantes Gespräch hatten wir mit Horst. Auf der Burning-Road-Tour 2010, konnten wir ihn für die Teilnahme an Brevets und die Veranstaltung Paris-Brest-Paris begeistern. Wir informierten ihn gerne über die Teilnahmebedingungen. Auch wir hatten ja eigentlich vor, in diesem Jahr die 1200 Kilometer des alle vier Jahre stattfindenden PBP’s zu absolvieren. Bei uns scheiterte die Teilnahme ja schon im letzten Jahr an der 600er Veranstaltung des ARA-Niederrhein, bei der wir uns dazu hinreißen ließen, im Dauner Krankenhaus zu übernachten.(Auch nachzulesen in dem auf unserer Seite befindlichen Bericht). Wir schwärmten Horst jedenfalls von der netten Atmosphäre vor, die wir auf den Wankum-Brevets erfahren haben. Er ließ sich von uns anstecken, fand aber dann doch mehr Spaß daran, komplett organisierte Veranstaltungen zu fahren.

Als wenn es nicht schon schwer genug gewesen wäre, im Regen zu fahren, kam natürlich noch Gegenwind dazu, der die restlichen Kilometer erstrecht beschwerlich werden ließ. Eigentlich dachte ich, die Veranstaltung locker wegzustecken, doch weit gefehlt. Ich hatte nachmittags stark zu kämpfen. Vor allem hatte ich keine Lust mehr auf Regen und Wind. Und immer wieder diese Plattfüße. Das einzig gute an diesen Pausen waren die zusätzlichen „Pinkelpausen“. Ein Fahrer machte sich im Laufe der Veranstaltung wirklich einen Spaß daraus, mich mit den Worten: „Es geht weiter!!!“ zu erschrecken. Er hat es mindestens dreimal geschafft, dass ich kurz vor dem Gebüsch wieder umdrehte, dann aber den Spaß bemerkte, den andere schon viel früher wahr nahmen. Trotzdem dank an ihn, denn irgendwie brachte er mich damit auch immer wieder zum Lachen.

Nachmittags gab es noch einen Rast in „ichweißnichtwo“, an der wir sogar eine Toilette hatten. Dort traf ich die Motorradbeifahrerin Gaby, die fürchterlich fror. Immerhin muss man bedenken, dass den drei Motorradler die Bewegung, die uns einigermaßen warm hielt, fehlte.

An dieser Rast plünderten wir die Bananen und Müsliriegel. Radfahrer sind eben ganz schön hungrig.

Nachdem wir wieder los geradelt waren erzählte Frank, er habe gehört, dass Thorsten die Strecke aufgrund der vielen Pannen, des Regens und des vollen Besenwagens um 50 Kilometer kürzen wollte. Diese Nachricht wurde mit sehr gemischten Reaktionen aufgenommen. Viele Fahrer waren auch einfach fix und fertig, durch ständiges Anfahren, Abbremsen und Lücken zufahren. Das düstere Wetter trug auch nicht unbedingt zur Motivation bei. Andere Fahrer lehnten die Entscheidung jedoch ab. Zu verstehen sind beide Seiten, doch letzten Endes muss man auch sagen, dass die Ankunft in Ochtrup, sich bei der Pannenhäufigkeit, wohl um einige Stunden nach hinten verschoben hätte. Manchmal ist man einfach machtlos. Und im Nachhinein, waren glaube ich alle dankbar.


Ich für meinen Teil muss einfach sagen, dass ich gut in praller Sonne und großer Hitze fahren kann, aber meine Stimmung tendiert bei Regen und Kälte gen Nullpunkt. Frank empfindet es genau anders herum. Er liebt den Regen zwar nicht, aber er macht ihm auch nichts aus. Hitze dagegen macht ihn fertig. Mir fehlte, wie gesagt, mehr und mehr die Kraft und der Elan, die Lücken zuzufahren. Immer wieder träumte ich vor mich hin und es war wieder passiert. Die Lücke war gigantisch, der Wind auch. Alex vom RSC Ochtrup nahm mich in den Windschatten und führte mich wieder an die Gruppe heran. Ich bin ihm sehr dankbar dafür.


Gegen 18.00 Uhr erreichten wir Ochtrup unter lautem Gehupe. Viele Familienangehörige und Freunde warteten schon auf die Fahrer. Am Radhaus Krechting durften wir mit Sekt, O-Saft und Bier anstoßen und spätestens nach dem ersten Glas, waren alle Widrig- und Nervigkeiten witzig und die Fahrer waren sich einig: „Es war mal wieder schön, im nächsten Jahr sind wir wieder dabei!“


Auch wir wechselten hier ein paar Worte, dort auch welche, die Stimmung war toll, die Gespräche auch. Wir jedenfalls möchten auch im nächsten Jahr wieder dabei sein, sollte sich der Termin nicht mit einer möglichen, erneuten Transalp-Teilnahme schneiden.

Da wir noch eine Übernachtung in Ochtrup gebucht hatten, trafen wir uns gegen 21.00 Uhr mit Thorsten und Dette (der zumindest noch halbkranken Freundin von Ralf) zum Essen und auf ein Bierchen. Wir ließen die anstrengende Tour noch einmal Revue passieren und hatten nun die nötige Bettschwere.


Neun Stunden Tiefschlaf warteten auf uns und ausgeruht nahmen wir das Frühstück zusammen mit den beiden anderen Radlern ein. Wir tauschten uns ein wenig aus und freuten uns sehr, schon am Nachmittag von Markus, einem unserer beiden „Mitfrühstücker“ einen Gästebucheintrag erhalten zu haben.


Also nochmals ein Dank an alle Helfer, ein Dank für jedes nette Gespräch, welches das Leben bereichert, ein Dank vor allem auch an Thorsten, der jetzt nun wirklich Schläuche wechseln kann und gute Besserung an Ralf.

Wir überlegen übrigens tatsächlich, ob wir nicht zum Abschlussessen am 8. Juli in Althoffs Landgasthof kommen sollen – vielleicht hätten ja ein Paar Leute Lust am nächsten Tag noch ein lockeres Ründchen zu fahren??? , damit sich die weite Anreise auch lohnt.

Autorin: Kirsten Wolff